Die Initiative Pakt PRO Commerce wurde im April 2016 vom luxemburgischen Wirtschaftsministerium (MECO), der Handelskammer (CdC) und der clc, dem Dachverband des Luxemburger Einzelhandels gegründet. Das Großherzogtum Luxemburgs hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Einzelhandelsstandort der Großregion entwickelt. Auf neue Entwicklungen in der Konsumwelt und deren Herausforderungen muss aber auch hierzulande mit angepassten Maßnahmen reagiert werden. Die Initiative Pakt PRO Commerce fördert das allgemeine Problembewusstsein und entwickelt mit verschiedenen Partnern adäquate Lösungsansätze.

Der Einzelhandel und dessen Strukturen sind nachhaltig im Wandel: das Verbraucherverhalten ändert sich permanent und wird immer komplexer; demographische Veränderungen verlangen eine Anpassung der Handelskonzepte; die Digitalisierung hat massive Auswirkungen auf nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Es entstehen Lücken in der Nahversorgung und die Attraktivität und Individualität der Innenstädte leidet mitunter massiv unter dem Weggang von Betrieben der Kategorie „Inhabergeführter Einzelhandel“. Da der stationäre Einzelhandel in den Städten und Gemeinden neben der Nahversorgungsfunktion auch eine städtebauliche, eine soziale und nicht zuletzt eine ökonomische Funktion hat, kommt vermehrte Schließung von Geschäften letztlich einem Strukturproblem von gesamtstädtischer Relevanz gleich.

Um in schnelllebigen Zeiten erfolgreich handeln zu können und um Innenstädten zukunftsweisende Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Initiative Pakt PRO Commerce soll sicherstellen, dass an einer Verbesserung dieser Bedingungen gearbeitet wird: für neue Dynamik im Einzelhandel, für mehr Kompetenz und Beschäftigung im Sektor, für eine den Bedürfnissen der Menschen und den demographischen Entwicklungen angepasste Gestaltung der Einzelhandelslandschaft, für die Entwicklung kanalübergreifenden Handels, für eine bessere Standortvermarktung und nicht zuletzt für eine Steigerung der staatlichen Einnahmen.

Dem Wandel unserer Städte und des Einzelhandels gilt es offen zu begegnen: Offenheit für neue Initiativen, neue Formen der Zusammenarbeit und des Austausches auf dem Weg zu einer neuen Form der Urbanität. Experimente sind gefragt und gefordert: die Feststellung, dass sich Lebensstile individualisieren, erfordert auch zu erkennen, dass die Anforderungen an die Städte vielfältiger werden.

Arbeitsfelder

Die Initiative Pakt PRO Commerce teilt sich in fünf thematische Achsen auf, die gleichzeitig die Reflexions- und Arbeitsschwerpunkte bilden. Aktuell wird vornehmlich an den ersten drei Pakt-Achsen „Analyse/Market Intelligence“, „Digitalisierung“ sowie „Handel und Innenstadt“ gearbeitet. Nachfolgend finden Sie eine kurze Übersicht zu den Schlüsselprojekten:

Analyse/ Market intelligence

Um proaktiv handeln zu können, werden Werkzeuge benötigt, die die rasanten Veränderungen der Umwelt permanent erfassen und den Status Quo der Handelslandschaft bestimmen. So können gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen werden, die die Situation der Kommunen und damit auch des Einzelhandels nachhaltig verbessern. Beobachtung und Analyse von Konsumtrends sowie regelmäßige Marktforschung helfen, die internationalen und lokalen Entwicklungen zu erkennen und zu verstehen.

Mit der nationalen Handelsdatenbank, dem ‚Cadastre du commerce‘ wurde nun ein solches Werkzeug erschaffen. Die integrierte GIS-Technologie ermöglicht es, die Strukturdaten zum Einzelhandel karthographisch darzustellen. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Pilotphase, in welcher verschiedene Anwendungsmöglichkeiten erprobt und Best Practices erarbeitet werden. In Zukunft soll das Cadastre du commerce – in Kombination mit anderen Datenquellen – die Basis für Marktbeobachtungen, Analysen und entwicklungspolitische Entscheidungen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene darstellen. Als weiteres Projekt ist die Installation von Passantenfrequenzzählsystemen (People Countern) an verschiedenen innerstädtischen Standorten in Planung.

Digitalisierung

Die Digitalisierung revolutioniert unser gesamtes Leben. Städte als Zentren des Zusammenlebens sind unmittelbar davon betroffen. Erwartungen der Menschen/Kunden und Angebote der Institutionen und Unternehmen passen aber leider noch nicht immer zusammen. Wir nehmen uns des Themas an und leisten Hilfestellung zur Entwicklung einer digitalen Denk- und Arbeitsweise.

Handel und Innenstadt

Mit Blick auf das sich ändernde Konsumverhalten und die Evolution des urbanen Raumes muss den Innenstädten erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Frequenzverluste im zweistelligen Prozentbereich machen deutlich, dass an zukunftsfähigen Konzepten für die Innenstädte gearbeitet werden muss.

Im Rahmen des „Pakt PRO Commerce“ wurde dazu eine Erfa-Gruppe (Erfahrungsaustausch) ins Leben gerufen, in der sich jene Städte und Gemeinden treffen, die hierzulande noch über einen nennenswerten Einzelhandelsbesatz verfügen. Da starke lokale Zentren die Basis für ein positives Erleben des Landes insgesamt sind, schreibt sich diese Pakt-Achse auch in die Nation Branding-Bemühungen ein.